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Power of Love

Zusammen sind wir stark

 

Was wir auch tun, wohin wir auch gehen. Es geht allein. Es ist toll die eigenen Kräfte zu spüren und zu sehen, was man selbst schaffen kann. Aber zusammen sind Erfolge schöner! Und Niederlagen leichter zu ertragen.

Einen Kumpel, einen Freund, einen Partner für die tollen und die miesen Augenblicke im Leben zu haben, ist das Schönste was Menschen passieren kann. Die Liebe ist einfach stärker!

 

 

Weihnachten 2017

Start meiner ganz persönlichen, diesjährigen Weihnachtsaktion!

 

 

 

 

*Weihnachten in Deutschland 1946*

 

 

 

Anmerkung: "

Ich liebe Gay Romance aber ich schreibe auch mal ganz andere Dinge ...  Meine Gay Romance Weihnachtsgeschichte heißt "Weihnachtstrucker" Von jedem bis zum 15.12.17 verkauften E-Book geht heuer ein Euro in die 'Dieselkasse' der Johanniter Weihnachtstrucker! ! !

 
Die folgende Geschichte ist ein Geschenk an meine Leser. Es ist eine kleine, bittersüsse Weihnachtsgeschichte.

Sie ist Teil meiner diesjährigen Aktion für die Johanniter Weihnachtstrucker.

Ich habe Episoden verarbeitet, die ich von meinen Großeltern über die Nachkriegsweihnachten gehört habe. Es waren sehr traurige aber auch sehr hoffnungsvolle Erzählungen. Niemand, der einmal ein Care Paket ausgepackt hat, hat jemals vergessen, wie wunderbar das war. Und es gibt immer noch Hunger und Elend in Europa und woanders, das nicht vergessen sein sollte, besonders nicht zu Weihnachten.
Ich packe neben den Weihnachtsgeschenken für meine Lieben, jedes Jahr auch ein Paket für Menschen in Europa, die ansonsten kein schönes Weihnachtsfest feiern könnten. Waisen und Alte, Behinderte und Familien in Armut. Die Fahrer der Weihnachtstrucks bringen die die gesammelten Pakete in entlegene Gegenden, in Albanien, Bosnien, Rumänien. Sie opfern ihren Weihnachtsurlaub dafür. Seinerzeit habe ich mich von dieser Aktion zu meiner Love Story „Weihnachtstrucker“ inspirieren lassen. Die Aktion ist großartig und wunderbar um Weihnachtsfreude ganz konkret zu bedürftigen Menschen zu bringen. Und das seit über 20 Jahren!

Dieses Jahr werde ich obendrauf von jedem, bis zum 15.12.17 verkauften E-Book der „Weihnachtstrucker“ einen Euro, für Diesel, an die Aktion spenden! Am 15.12.17 ist auch der Abgabeschluss für die gepackten Pakete! Jeder kann mitmachen!

 

Paket packen! E-Book kaufen! Und oder selbst ein paar Euro für Diesel spenden!

 

 

Infos unter: www.johanniter-weihnachtstrucker.de

 

 

 

Eine wunderschöne, friedlich und inspirierende Weihnachtszeit wünscht Ihnen und Ihren Familien!   Reg Dixon     

 

                                                 ***

 

*Weihnachten in Deutschland* 1946

 

 

 

Leni war so unglaublich froh über die Arbeit in der Wäscherei. Sie hatte gehofft und gebangt, weil so viele Mädchen in der Schlange vor der amerikanischen Kaserne standen. Es gab nicht für alle Arbeit bei den Amerikanern. Aber Leni hatte Glück. Sie war eine gute Schneiderin und bekam eine Chance. Ihr Lohn würde ihnen helfen den Winter zu überstehen.
Es war so unglaublich kalt. Und der Hunger hörte niemals auf. Ihre kleine Schwester Inge, weinte sich jede Nacht in den Schlaf. Sie hatte immer Hunger und sie war so oft krank. Mal hustete sie wochenlang, mal hatte sie Durchfall oder rote Flecken auf der Haut. Letzte Woche war in der Schule Läuse Kontrolle und auch die kleine Inge war befallen. Die Lehrerin kannte keine Gnade. Allen Kindern mit Läusen wurde der Kopf geschoren und mit einer stinkenden Seifenlauge gewaschen. Inge war schluchzend nach Hause gekommen. Sie war ja erst acht Jahre alt und obendrein viel zu klein für ihr Alter. Klein und mager und mit geschorenem Kopf, sah sie aus wie ein aus dem Nest gefallener Vogel, wenn sie zusammengekauert unter der dünnen Bettdecke lag. Leni schlief mit ihrer kleinen Schwester in einem Bett. Sie war gesund und hatte keine Läuse abbekommen. Die Kleine tat ihr so unendlich leid. Es gab nichts, um sie über den Verlust ihrer blonden Zöpfe hinweg zu trösten. Einzig die Tatsache, dass die halbe Klasse einen geschorenen Kopf hatte, machte den Zustand ein klein wenig erträglicher.
Die Mutter kämpfte jeden Tag, um wenigstens eine Mahlzeit für sich und ihre Kinder zu beschaffen. Sie machte jede Arbeit und tauschte und handelte auf dem Schwarzmarkt, obwohl das bei Strafe verboten war. Bis jetzt hatten sie es einigermaßen geschafft, aber der größte Teil des Winters lag noch vor ihnen. Von der Wohnung war ihnen zumindest das eine Zimmer und die Küche geblieben, die sie sich teilen mußten. In dem anderen Zimmer war eine Flüchtlingsfamilie aus Ostpreußen einquartiert worden. Ebenfalls eine Witwe, deren Mann vor Stalingrad gefallen war, mit drei kleinen Jungen. Lenis Mutter war nicht glücklich über die zwangsweise Teilung ihrer Wohnung, aber letztlich saßen die Frauen im selben Boot und halfen sich so gut es eben ging über die schwere Zeit. Auch Lenis und Inges Vater war von der Ostfront nicht zurückgekommen. Leni schauderte es bei dem Gedanken an die eisige, russische Taiga und sie dachte oft an ihren Vater den sie sehr vermisste.
Der Winter 1946 war ungewöhnlich kalt und die Kinder hatten weder richtige Schuhe noch waren die Fenster, nach den Bombennächten des Krieges, richtig dicht. Leni hatte mit viel Glück die Nähmaschine und den Nähkorb retten können und sie schneiderte so gut es eben ging, aus alten, zerschlissenen Sachen, Kleidungsstücke die wenigstens nicht zerfetzt waren und einigermaßen warmhielten. Die Farben der Stoffe passten meistens nicht zusammen. Das ließ sich nicht ändern. Sie musste nehmen was sie gerade hatte. Die Frau aus Ostpreußen konnte gut stricken und die Kinder mussten alle löchrigen Pullover auftrennen und die Wolle sorgfältig aufwickeln, damit wenigstens noch Socken daraus entstehen konnten. Alle gemeinsam hungerten und froren sie, weil Kohlen und Holz kaum zum kochen reichten, geschweige denn um die Wohnung zu heizen. Im Dezember ging die kleine Inge mit einer Mütze auf dem Kopf ins Bett, weil es im Zimmer so kalt war, dass Eiszapfen von der Decke hingen.

 

Leni hatte ein schlechtes Gewissen, weil sie sich jeden Tag auf ihre Arbeit in der Kaserne freute. In der Wäscherei war es warm. Und sie hatte einen blütenweißen Kittel für die Arbeit bekommen. Außerdem gab es in den Pausen heißen Tee und Sandwiches für die Frauen. Oft schaffte Leni es, ihr Brot nur halb zu essen und die andere Hälfte mit nach Hause zu nehmen, für ihre kleine Schwester. Aber manchmal hatte sie selbst so großen Hunger, dass sie es einfach nicht schaffte zu teilen. Dann fühlte sie sich schlecht. Weil sie schwach war und weil sie am Abend lügen würde, warum es heute kein Brot für Inge gäbe.
Die Nachbarn redeten über sie, weil sie für die Amerikaner arbeitete und nannten sie ‚Ami-Flittchen‘ aber ihre Mutter war froh, dass ihre große Tochter etwas zum Familienunterhalt beisteuern konnte. Es war unmöglich von dem satt zu werden, was sie an Lebensmitteln auf Bezugsmarken kaufen durften. Und auf dem schwarzen Markt explodierten die Preise, seitdem es so kalt war und die Gärten und Felder völlig abgeerntet waren. Glücklich waren die Gartenbesitzer die sich Hühner und Hasen, eine Ziege oder ein Schwein halten konnten. Leni wohnte mit ihrer Familie in einem Wohnblock. Hier gab es keine Gärten.

 

Leni war ein hübsches Mädchen, aber sie sah älter aus, als die siebzehn Jahre die sie zählte. Die Kriegsjahre hatten jedoch keinen Schaden an ihrem offenen Lächeln angerichtet. Das blieb auch den amerikanischen Soldaten aus der Küche nicht verborgen. Die Wäscherinnen und Näherinnen mussten am Hintereingang der Küche vorbei, wenn sie nach Hause gingen. Manch eines der deutschen Mädchen ließen sich nur zu gern von den stattlichen jungen Männern einladen, um der Tristesse und dem Elend für ein paar Stunden zu entfliehen. Leni ging immer als Letzte, nur um die Wärme der Wäscherei so lange wie möglich zu haben. Draußen wartete nichts als der eisige Dezemberwind.
Als sie wieder einmal ganz allein über den großen Hinterhof ging, sprach der schwarze Hilfskoch sie an. Er lehnte an der offenen Küchentür und rauchte: „Fräulein, wie ist dein Name?“ Leni hatte Angst vor dem großen, schwarzen Mann und rannte so schnell sie konnte davon. Zwei Abende später schien er schon auf sie zu warten. „Fräulein, wie ist dein Name?“ Leni hatte immer noch Angst aber die Amerikaner waren immer sehr nett zu ihr und zu allen Frauen und Mädchen, die für sie arbeiteten. Sie wollte nicht unhöflich sein, also blieb sie ganz kurz stehen und antwortete: „Mein Name ist Leni.“ Er lächelte sie an und sagte: „Hi! Ich bin George. Hast du Hunger, Leni?“ Natürlich hatte sie Hunger, aber sie hatte auch Angst, vor dem was der Koch möglicherweise als Belohnung dafür haben wollte, dass er ihr etwas zu essen gab. Sie schüttelte den Kopf. „Nein.“ Dann ging sie zügig davon, ohne sich umzudrehen.
Ihrer Mutter erzählte sie nichts von ihrem schwarzen Verehrer.
Weihnachten rückte immer näher und jeden Tag wurde die Lage verzweifelter. Lenis Mutter hatte kaum noch Dinge von Wert, die man gegen Lebensmittel oder Kohlen eintauschen konnte. Leni versuchte, überhaupt nicht mehr zuhause zu essen, damit wenigstens die Kleine nicht hungrig ins Bett gehen musste. Manchmal ging die Mutter abends aus. Sie trug dann Lippenstift, was seltsam aussah, zu den abgetragenen Kleidern und kam am Morgen mit irgendetwas brauchbarem zurück. Leni fragte nicht, woher das kam. Sie hatte den Krieg überlebt, weil sie gelernt hatte, nicht zu fragen und einfach das zu tun, was von ihr verlangt wurde.
Mehr als einmal, musste sie Blockwart Krause zu Willen sein, um für sich und ihre Mutter und Inge einen Platz im Bunker zu bekommen, als die Bomben auf die Stadt fielen. Sie hatte sich jedes Mal unglaublich geekelt und geschämt aber  immerhin hatten sie alle es überlebt. Blockwart Krause war seit Tag der Kapitulation wie vom Erdboden verschwunden.  
George, der Koch, hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, am Abend auf Leni zu warten, nur um zu sagen: „Gute Nacht, Fräulein, Leni.“ Die anderen Frauen lachten sie schon aus, weil sie sich nie traute, etwas zu erwidern. Marianne sagte: „Leni, sei doch nicht so dumm! Er ist nett und er arbeitet in der Küche!“ Leni schüttelte nur den Kopf und lief durch die dunkle Stadt nach Hause.
Dann wurde die Mutter krank und lag mit Fieber im Bett. Zwei Abende lang konnte Leni aus Brühwürfeln wenigstens eine warme Suppe kochen, aber dann waren die Vorräte aufgebraucht. Die Mutter brauchte einen Arzt. Sie hustete schrecklich und hatte hohes Fieber. Es gab keinen Arzt weit und breit. Die kleine Inge weinte und Leni hatte ebenso wie sie, große Angst, dass ihre Mutter sterben könnte, wie viele andere deren Kräfte nach den Kriegsjahren einfach aufgebraucht waren. Leni betete mit ihrer kleinen Schwester und deckte die Mutter so warm zu, wie es eben ging.  

Als der schwarze Koch, sie am folgenden Abend wieder ansprach, überwand Leni ihre Angst und ging auf ihn zu. Unter der Lampe vor der Küchentür blieb sie stehen und der Koch sah sie an und lächelte breit. „Wie kommt es, dass Du heute zu mir kommst?“ Leni sah auf ihre verschlissenen Schuhe herunter und sagte sehr leise. „Ich brauche Hilfe.“ George deutete auf die offene Tür und sagte, „Komm rein.“ Leni ging in die Küche, in der sich um diese Zeit niemand mehr aufhielt. George war offensichtlich nur wegen ihr, jeden Abend so lange geblieben. Leni wappnete sich für das Schlimmste war bereit, für etwas zu essen wirklich alles zu tun, was immer der Koch auch von ihr wollte. Im Licht der hellen Küchenlampen, wurde die Armut des Mädchens offensichtlich. Der Koch setzte sie an den Tisch, an dem normalerweise Gemüse geputzt wurde und befahl, „Hier sitzen bleiben.“ Er ging weg und kam nach wenigen Minuten mit einem, in braunes Papier gewickeltes Paket zurück. Es war schwer und es roch unglaublich gut. Leni starrte auf das Paket und fragte mit zitternder Stimme. „Was muss ich dafür tun?“ Der schwarze Koch lachte und sagte: „Du sagst: Danke George! Und dann gehst du nach Hause zu deiner Familie. Du hast doch eine Familie?“ Leni nickte. Sie flüsterte: „Vielen, vielen Dank, George.“ Dann rannte sie so schnell wie möglich nach Hause. An diesem Abend gingen sie nicht hungrig ins Bett und auch die Mutter fühlte sich nach der ersten ordentlichen Mahlzeit nach Monaten, schon ein klein wenig besser. George hatte Brot, Margarine, Wurst und Käse, Äpfel und Eier eingepackt und es würde auch noch für den nächsten Tag reichen.  

 

Am Morgen, wurde Leni zum Offizier gerufen. Es war derselbe Mann, der sie vor einigen Wochen eingestellt hatte. Leni hatte Angst, wegen der Lebensmittel, die der Koch ihr gegeben und die sie angenommen hatte, bestraft zu werden. In einer anderen Zeit hätte auch sie das Diebstahl genannt. Aber die moralischen Grundsätze verschwinden schnell, wenn man hungert. Jetzt hatte Leni große Angst, die Arbeit, die sie so dringend brauchte, zu verlieren. Nach einigen Minuten bangen Wartens vor der Tür, wurde sie in das Büro gerufen. Der Offizier saß hinter einem großen Schreibtisch und blätterte in Papieren. Leni trat nervös von einem Fuß auf den anderen. Dann sah er sie an und fragte: „Leni Mauerbach, Schneiderin. Ist das richtig?“ Sie nickte. „Ja.“ Er blätterte in den Papieren. Nach einigen bangen Minuten schien er gefunden zu haben was er suchte und er fragt nach der Adresse, den Wohnverhältnissen und der Familie. Leni gab wahrheitsgemäß Auskunft aber es wurde ihr immer banger ums Herz. Der Offizier hatte ihr immer noch nicht gesagt, was er von ihr wollte. Knapp ordnete er an: „Gut, wir haben alles. Sie können dann wieder an die Arbeit gehen. Ich setze sie auf die Liste.“ Leni wollte auf keine Liste. Es war nie gut auf der Liste zu sein! Im Gegenteil, es konnte tödlich sein, auf einer Liste zu stehen. Vor drei Jahren, hatte der Gestapo Mann Frau Lieberwein angeschrien, als er sie morgens um vier Uhr, aus ihrer Wohnung gezerrt hatte: „Sie kommen mit, alle! Sie stehen auf der Liste!“ Leni hatte ihre Freundin, Judith Lieberwein und ihre Familie nie mehr wiedergesehen und nachdem der Krieg zu Ende war, hatten sie in der Wochenschau gesehen, was mit all den jüdischen Familien passiert war. Nein, sie wollte auf gar keinen Fall auf irgendeine Liste. „Bitte, bitte! Ich wollte das doch nicht. Meine Mama ist so krank! Nur deshalb habe ich das Paket angenommen! Bitte, ich will auf keine Liste.“ Sie weinte und der Offizier stand auf. Er war groß und furchteinflößend aber er beugte sich zur ihr hinunter und legte seine Hände warm auf ihre zerbrechlichen Schultern. Er spürte die Knochen unter der Haut und seine Stimme war besorgt und sehr freundlich als er sagte: „Der Koch, war heute Morgen bei mir. Seine Familie in Amerika packt Pakete für Deutschland, wie viele andere amerikanische Familien auch. Er hat nach ihrer Adresse gefragt und mich gebeten sie auf die Liste für die Hilfspakete zu setzten. Ich weiß nicht, wie lange der Transport dauern wird, aber ich sehe wohl, dass sie die Hilfe dringend brauchen.“ Leni beruhigte sich wieder ein wenig. Dann sagte sie, „Vielen Dank. Das ist so großzügig. Ich weiß gar nicht was ich sagen soll. Auf jeden Fall teilen wir mit den anderen.“ Der Offizier wurde hellhörig. „Mit wem wollen sie teilen?“ Das Mädchen war Haut und Knochen und brauchte dringend jede Kalorie, die es kriegen konnte. „Frau Olschewsky aus Ostpreußen mit ihren drei kleine Jungen, wohnt mit in unserer Wohnung. Sie sind geflüchtet. Über die Ostsee. Wir helfen uns so gut es geht.“ Der Offizier griff wieder nach seiner Liste: „Sagen sie mir bitte nochmal die Namen. Wie alt sind die Kinder? Jungen, ja?“ Leni antwortete und der Offizier schrieb auch diese Familie auf seine Liste.

Am Abend waren ihre Mutter und Frau Olschewsky ganz aus dem Häuschen, als Leni erzählte, was heute passiert war. Sie hatten schon von den Paketen aus Amerika gehört, aber sie hatten noch nie eines dieser wunderbaren Pakete gesehen. Auf jeden Fall, sollte etwas Gutes zu essen darin sein, Fleisch in Dosen und Mehl und Reis und vielleicht sogar Kaffee, aber das war sicher nur ein Gerücht. Lenis Mutter erinnerte sich an die Jahre vor dem Krieg, als sie in der Vorweihnachtszeit Plätzchen buken und die Wohnung mit einem Adventkranz schmückten, mit echten Bienenwachskerzen. Dieser Advent war dunkel und still.
Nur sonntags sangen sie am Abend alle zusammen die alten Weihnachtslieder und die Frauen sorgten heimlich dafür, dass sie für jedes der Kinder wenigstens ein kleines Geschenk hatten. Fäustlinge für die kleinen Jungen, aus alten Pullovern von Leni. Eine Schürze für Inge, aus einem Tischtuch, das sie eingetauscht hatten. Leni nähte, ebenso heimlich, eine Bluse aus einem weißen Oberhemd des Vaters, dass sie als Andenken an ihn behalten hatten. Die Mutter hatte ja noch ihren Ehering und das Hochzeitsfoto.  Das musste als Andenken genügen.
Der Koch George wartete jeden Abend auf Leni. Mittlerweile, freute sie sich ihn zu sehen, wie er an der Küchentür stand und rauchte. Er rief: „Gute Nacht, Fräulein Leni!“ Und sie antwortete: „Bis morgen, George.“
In der Weihnachtswoche war die ganze Kaserne von freudiger Unruhe und Vorfreude erfüllt. Ein Teil der Soldaten machte sich auf, um nach Hause zu ihren Familien zu reisen, ein Teil wartete sehnsüchtig auf die Post ihrer Lieben und alle, die über die Feiertage in der Kaserne Dienst hatten, bereiteten die Weihnachtsfeier und den feierlichen Gottesdienst vor. Draußen lag der Schnee hoch und verdeckte die Wunden und Trümmer des Krieges ein wenig. Am Morgen des Heiligen Abend rollte ein Konvoi riesiger Militärlastwagen durch die Stadt. Er brachte Soldaten und er brachte Baumaterialen. Die letzten drei Lastwagen des Konvois aber, waren voller Pakete. Alle gleich groß und mit der Aufschrift: <<CARE United States of America.>> Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Leni konnte nicht weg von ihrer Arbeit. Sie hatte Angst, dass alle Pakete verteilt sein würden, bis sie an diesem Abend nach Hause gehen durfte. Aber sie traute sich auch nicht danach zu fragen. Die Chefin der Wäscherei schickte die Frauen an diesem besonderen Abend, eine Stunde früher  nach Hause. Am Weihnachtstag hatten alle frei. Leni ging mit den anderen über den dunklen Hinterhof. Heute Abend war die Küchentür zu. George feierte sicher schon mit seinen Kameraden. Leni war bedrückt. Sie hätte doch nach ihrem Paket fragen sollen. Das würde ein trauriger Heiliger Abend werden.
Vor dem Tor wartete ein Jeep mit laufendem Motor. Das war nicht ungewöhnlich. Leni beachtete das Auto nicht weiter und machte sich zügig auf den Weg nach Hause. Die Mutter war nicht mehr bettlägerig aber sie hustete noch schrecklich und war immer froh, wenn Leni abends daheim war.
Der Fahrer stieg aus dem Wagen und Leni erkannte George den Koch ohne seine weiße Arbeitskleidung fast nicht. Er rief ihr zu: „Guten Abend, Fräulein Leni! Ich habe etwas für Dich!“ Leni antwortete, „Hallo George.“ Sie ging auf das Auto zu und sah zwei der begehrten, braunen Pakete auf dem Rücksitz liegen. „Du kannst sie nicht tragen. Sie sind zu schwer. Steig ein, ich fahre dich nach Hause. Aber wir müssen schnell machen, ich muss das Auto gleich wieder abliefern.“ Leni überlegte nicht lange und stieg ein. In ihrer Straße lagen noch immer viele Trümmer und Schuttberge. Kein Durchkommen für das Auto. George musste weit vor ihrem Haus anhalten. Leni konnte kaum eines der Pakete hochheben. Er nahm es ihr ab und stellte das zweite noch obendrauf. „Zeig mir wo ich hin muss, ja.“ Leni lief voraus. Die Straße war fast menschenleer und die Nacht war sternenklar und eisig. George stellte die Pakete vorsichtig vor der Wohnungstür ab und wollte schnell wieder gehen. Leni hielt ihn am Ärmel fest und fragte: „Warum tust du das alles, George? Warum hilfst du mir?“ Der Hausflur war dunkel aber sie konnte sein Gesicht erkennen und sein Lächeln sehen. „Kein Kind sollte an Weihnachten Hunger haben und frieren, Fräulein Leni. Dein Santa Claus ist heute schwarz, aber mein Herz ist es nicht.“ Leni schämte sich, für die Angst die sie gehabt hatte, weil seine Haut dunkel war und für ihre Vorurteile. Und sie war unendlich dankbar, dass sie nun mit ihrer Familie ein richtiges Weihnachtsfest feiern konnte. Sie streckte sich, um seine Wange zu erreichen und hauchte ein Küsschen darauf: „Danke George, für alles! Vielen, vielen Dank! Und Frohe Weihnachten!“

 

*ENDE*

 

„Ein fröhliches, friedliches und wunderschönes Weihnachtsfest wünsche ich Ihnen und Ihren Familien!“

 ©RegDixon